NEUSTART MIT FÜNFZIG!

Martina Jäckle-Weber

Es war ein ganz normaler Arbeitstag. Wie jeden Morgen kam ich auf die Neurostation der Klinik Oberwart, wo ich bereits seit 20 Jahren als Ergotherapeutin arbeitete. Als eine von drei Ergotherapeutinnen machte ich mich wie üblich gleich ans Werk: Patient*innenakten durchsehen und aktuelle Informationen einholen. Einige Kolleg*innen waren schon am Stützpunkt, um sich auf den Tag vorzubereiten, sie lasen in den Akten und teilten den zeitlichen Ablauf ein. Man begrüßte sich, tauschte sich fachlich aus, irgendwann wechselte dann das Gespräch von der fachlichen Ebene in die Rubrik „Klatsch und Tratsch“. Bald erfuhr ich, dass eine Arbeitskollegin, die nur wenig älter als ich selbst war, ihren Job wechseln würde. »Sie hat Bedenken, ob sie den stressigen Job auf der Neurologie bis zu Pension durchhält. Noch dazu mit all den Nachtdiensten«, erklärte eine meiner Kolleginnen. Wir nickten, das verstanden alle gut.

Das Gespräch hinterließ etwas in mir und brachte mich zum Nachdenken: Bisher hatte ich mir noch nie wirklich Gedanken darüber gemacht, wie meine eigene Zukunft aussehen würde, jetzt war ich selbst gerade aber fünfzig geworden. Es war der Anlass, meine persönliche Situation grundlegend zu überdenken. Etwa zu dieser Zeit hörte ich davon, dass in der Klinik Güssing die Gründung einer Akutgeriatrie-Remobilisation (AGR) geplant war und die Idee auch schon sehr konkrete Formen angenommen hatte. Darin sah ich für mich die Lösung! Kurzerhand bewarb ich mich für die Stelle und wechselte in die Klinik Güssing! Nachdem ich in der AGR Vorau und Fürstenfeld hospitiert hatte, war mir bewusst, dass dies der richtige Schritt war, und ich begann voll Vorfreude in der Klinik Güssing. Doch es sollte dann doch die eine oder andere Überraschung geben.

Schon der erste Arbeitstag war ein besonderer. Bereits am Park platz wurde ich überrascht, als mich eine zukünftige Arbeitskollegin aus der Physiotherapie ansprach und fragte: »Bist du die neue Kollegin aus der Ergotherapie?« Ich wusste damals noch nicht, wie klein das Haus ist und dass hier jeder jeden kennt. Die nächste schöne Überraschung war, wie jung meine neuen Arbeitskolleginnen waren – von einigen hätte ich die Mutter sein können. Auch die Patient*innen waren anders als gedacht. Ich wusste zwar, dass hier nicht viele Neuropatient*innen sein würden, aber es war tatsächlich nur eine Handvoll.

Nach mittlerweile zweieinhalb Jahren auf der AGR in Güssing kann ich festhalten: Es war zwar anstrengender als gedacht, aber es hat sich gelohnt. Es begeistert mich jeden Tag aufs Neue, beim Aufbau der AGR mitwirken zu dürfen. Ebenso bereichernd sind die neuen Kontakte und auch Freundschaften, die sich hier gebildet haben. Unverändert ist die Freude an meinem Beruf, das Interesse an der Medizin und der Kontakt zu den Patient*innen, die für mich, wie zu schon ganz zu Beginn meiner Berufslaufbahn, immer noch Triebfeder sind.

SUSANNE JANOSCH
arbeitet als Ergotherapeutin in der Klinik Güssing.