VOM ZIMMERMANN ZUM BETRIEBSRAT

Josef Glantschnig

Darf ich mich kurz vorstellen? Mein Name ist Josef Glantschnig, seit 2021 bin ich Betriebsratsvorsitzender der Klinik Güssing und vertrete hier rund 380 Mitarbeiter*innen. Mit einem Team von insgesamt sieben Betriebsrät*innen sind wir mit Rat und Tat zur Stelle, um unsere Kolleg*innen jederzeit unsere Unter stützung anzubieten.

Mein Werdegang begann jedoch ganz anders, und zwar im Bereich des Bauens. Mehrere Jahre arbeitete ich als gelernter Zimmermann in einem Beruf, den ich sehr gerne ausübte. Doch leider zog ich mir eine schwere Sportverletzung zu – und musste die Zimmerei schließlich aufgeben. Ich überlegte und entschied mich dazu, eine Ausbildung zum Pflegeassistenten zu machen. Im Jahr 2000 begann ich dann als Operationsassistent und Gipsassistent im Krankenhaus Güssing.

Doch bis zu meiner jetzigen Position sollte noch einiges passieren: Bei unserer Weihnachtsfeier vor ein paar Jahren, unser Haus hieß damals noch »Krankenhaus Güssing«, kam plötzlich der damalige und von mir sehr geschätzte Betriebsratsvorsitzende – eine Koryphäe auf diesem Gebiet – auf mich zu. Er fragte: „He Pepe, kannst du dir vorstellen mein Nachfolger zu werden?“ Da musste ich erst einmal schlucken, denn mit so etwas hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ich setzte mich und bat den Barkeeper zu mir. In diesem Moment merkte ich, wie intensiv ich den ganzen Raum wahrnahm. Es roch nach Alkohol und Rauch, überall Menschen, alle in ausgelassener Feierstimmung. Der Betriebsratsvorsitzende sprach weiter und erklärte, dass er es sich bei meinem Engagement, Gerechtigkeitssinn, sozialen Bewusstsein, meiner Neugier und meinem Hausverstand gut vorstellen konnte, dass ich in seine Fußstapfen trete. Ich bedankte mich bei ihm und bat um ein paar Tage Bedenkzeit. Ich wollte mir das alles in Ruhe durch den Kopf gehen lassen – denn mir gefielen mein Job im Operationsbereich und das Anlegen von Gipsverbänden. Eine Woche später hatte ich mich entschieden, ich wollte mich der neuen großen Herausforderung stellen. Ich bedankte mich für das Vertrauen und sagte zu, dass ich die Nachfolge in aller Ehre antreten wollte. Nach der Pensionierung des Betriebsratsvorsitzenden übernahm ich im Jahr 2021 dann seinen Vorsitz in der heutigen Klinik.

»Griaß eich, wie geht’s?« Mit diesen Worten begrüße ich meine Kolleg*innen jeden Tag, wenn ich sie auf den Stationen, in der Küche, der Werkstatt, der Verwaltung oder in anderen Bereichen besuche. So oft, wie es mir möglich ist, schaue ich bei ihnen vorbei, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es ihnen geht. Ich frage sie nach Anregungen und Verbesserungsvorschlägen, versuche herauszufinden, ob es Unklarheiten gibt. Es liegt mir persönlich sehr am Herzen, unsere Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern. Natürlich gibt es nicht nur Sonnenschein, manches Mal zieht auch Gewitter über meine Arbeit. Aber mit vereinten Kräften sind wir bis jetzt immer zu einer guten Lösung gekommen, die sowohl für den Dienstgeber also auch für die Dienstnehmer*innen gut annehmbar war.

Aber womit beschäfigt sich ein Betriebsrat eigentlich? Mit vielen Themen und vor allem Fragen wie diesen, die ich fast täglich zu hören bekomme: »Wie schaut es aus mit meiner Altersteilzeit?« »Wann kann ich endlich in Pension gehen?« »Wann gibt es mehr Gehalt?« Oder: »Hearst, Herr Betriebsrot, bei mein Lohnzettl passt wos net!« Da ich meinen Job liebe, versuche ich stets, so schnell wie möglich auf diese Anliegen zu reagieren und die offenen Fragen zu beantworten. Das ist mein tägliches Brot als Betriebsrat.

Eine Klinik muss so gut funktionieren wie ein Uhrwerk, in dem jedes einzelne Zahnrädchen seine Aufgabe hat. Zudem müssen alle fehlerfrei ineinandergreifen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Die Zahnrädchen sind hier die Berufsgruppen, jede einzelne muss funktionieren, sonst wäre es nicht möglich, den täglichen Betrieb aufrechtzuerhalten und eine bestmögliche Versorgung der Bevölkerung anzubieten. Zwischendurch braucht es aber auch Ausgelassenheit und Abwechslung, damit die Freude an der Arbeit weiterhin bestehen kann. Darum planen wir jedes Jahr Betriebsausflüge, an denen die Mitarbeiter*innen sehr gerne teilnehmen. Es ist immer eine Riesengaudi, wenn verschiedene Berufsgruppen zusammenkommen und wandern gehen oder sich bei einer Kulturfahrt bestens unterhalten. Und zugegeben natürlich auch ab und zu ein Gläschen auf die Freundschaft heben. Mitte Juni findet zudem jedes Jahr unser Mitarbeiter*innen fest statt. Dann wird gegrillt und gechillt und der Spaß steht im Vordergrund. Da wird dann auch schon mal eine Gitarre ausgepackt, um ein paar „Oide Hodan“ zum Besten zu geben. Mitte Herbst stehen dann die Ehrungen langjähriger Mitarbeiter*innen am Programm. Geehrt wird, wer zehn, 20, 30 oder 40 Jahre in der Klinik Güssing tätig ist. Die Jubilar*innen erhalten dabei ein besonderes Geschenk: Ihre Zeit hier im Haus wird mit Gold aufgewogen und in Form einer Dukate überreicht. Pensionsanwärter*innen werden würdig mit kleinen Geschenkboxen in den Ruhestand verabschiedet. Es ist immer wieder ein großartiges Ereignis und nicht selten finden hier auch schöne Gespräche mit Mitarbeiter*innen über alle Altersgruppen hinweg statt. Ein schönes gemeinsames Essen rundet die Feier ab.

Wenn das Jahr dann zur Neige geht, gibt es ein letztes Highlight für die ganze Kollegschaft, unsere Jahresabschlussfeier. Alle Mitarbeiter*innen der Klinik sind herzlich eingeladen zu einem Fest, das von der Kollegialen Führung des Hauses immer vorzüglich organisiert wird. Oft wird bis in die frühen Morgenstunden getanzt und gefeiert. Die Theke, die im unteren Geschoß der Klinik aufgebaut wird, ist ein Geheimtipp, dort wird getanzt, als gäbe es kein Morgen.

Das ist meine Geschichte als Betriebsratsvorsitzender, von den Anfängen bis zu meinen Aufgaben, denen ich jeden Tag gerne nachgehe. Es gibt mir ein schönes Gefühl, wenn alle Berufsgruppen im Haus sich gut verstehen. Das wirkt sich auch spürbar auf unsere Patient*innen aus, die täglich im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen. Seit 25 Jahren bin ich Teil der Klinik Güssing und es erfüllt mich mit Stolz und großer Ehre, für die Kolleg*innen, für die Gesundheit Burgenland und ganz besonders für „unser Haus“ hier in Güssing tätig zu sein. Ich freue mich darauf, dass es hoffentlich noch bis zu meiner Pension so weitergeht.

JOSEF GLANTSCHNIG
ist Betriebsratsvorsitzender der Klinik Güssing.