Gerade in den Sommermonaten werden Krampfadern für viele Menschen zum sichtbaren und spürbaren Problem. Hohe Temperaturen belasten das Venensystem zusätzlich und führen häufig zu schweren, müden und geschwollenen Beinen. Doch warum verstärkt ausgerechnet Hitze diese Beschwerden, und welche Möglichkeiten gibt es, die Symptome zu lindern oder Krampfadern zu behandeln? „Bei Hitze erweitern sich die Blutgefäße, gleichzeitig sinkt der Blutdruck leicht und der Puls steigt an“, erklärt OA Dr. Ákos Krámos von der Abteilung für Chirurgie an der Klinik Güssing. Durch die Erweiterung der Venen fließt das Blut langsamer und sammelt sich aufgrund der Schwerkraft vermehrt in den Beinen. Gleichzeitig verlieren die Venenwände an Spannung, wodurch die Venenklappen nicht mehr optimal schließen können. Das Blut staut sich, der Druck in den Venen steigt und Flüssigkeit wird in das umliegende Gewebe gepresst. Die Folge sind geschwollene Beine, Spannungsgefühle und oft auch Schmerzen.
Linderung bei schmerzenden Beinen
Um diese Beschwerden zu lindern, helfen bereits einfache Maßnahmen. Kalte Wassergüsse oder ein kaltes Fußbad sorgen dafür, dass sich die Gefäße wieder zusammenziehen und die Beine rasch leichter werden. Ebenso wichtig sind regelmäßige Bewegung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, besonders während der heißen Jahreszeit. „Wer beruflich viel sitzt oder steht, sollte möglichst häufig die Position wechseln und den Beinen zwischendurch Bewegung gönnen. Am Abend empfiehlt es sich, die Beine hochzulagern, um den Rückfluss des Blutes zum Herzen zu erleichtern“, so der Tipp des Chirurgen.
Besonders positiv wirkt sich Schwimmen aus. Die Bewegung der Beinmuskulatur aktiviert die sogenannte Muskelpumpe und unterstützt den venösen Rückfluss. Gleichzeitig übt das Wasser einen gleichmäßigen Druck auf die Beine aus, der ähnlich wie ein Kompressionsstrumpf wirkt.
Sind die Venenklappen einmal geschädigt, lassen sie sich allerdings nicht mehr reparieren. Bewegung und gezielte Venengymnastik können den Blutfluss dennoch deutlich verbessern. Entsprechende Übungen lassen sich unkompliziert im Sitzen, Stehen oder Liegen durchführen und sind mittlerweile auch online leicht zu finden. Zusätzlich können Kompressionsstrümpfe die Beschwerden wirksam lindern, auch wenn sie gerade im Sommer nicht immer angenehm zu tragen sind.
Ergänzend gibt es pflanzliche Arzneimittel mit Flavonoiden aus Zitrusfrüchten, die die Venenfunktion unterstützen können. Diese Präparate sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Darüber hinaus bleibt ein gesunder Lebensstil die wichtigste Grundlage für gesunde Venen: ausreichend Bewegung, Normalgewicht und möglichst wenig langes Sitzen oder Stehen.
Klassische OP bis hin zu Laserablation
Wer regelmäßig unter schweren oder geschwollenen Beinen leidet oder bereits sichtbare Krampfadern hat, sollte die Beschwerden frühzeitig ärztlich abklären lassen. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung kann festgestellt werden, ob tatsächlich eine Venenerkrankung vorliegt und welche Behandlung sinnvoll ist. In der Klinik Güssing gibt es einmal wöchentlich eine spezielle Venenambulanz. Nach einer ausführlichen sonografischen Diagnostik wird gemeinsam die individuell passende Therapie ausgewählt. Zum Behandlungsspektrum gehören sowohl die klassische Venenoperation mit Crossektomie und Stripping als auch moderne minimalinvasive Verfahren wie die Laserablation.
Bei der Laserablation wird die erkrankte Vene über einen dünnen Katheter mit einer Lasersonde von innen verschlossen. Das Verfahren gilt heute als besonders schonend und kann häufig ambulant durchgeführt werden. Auf Wunsch ist eine kurze Narkose möglich, viele Patientinnen und Patienten können die Klinik noch am selben Tag wieder verlassen. Nur bei höherem Alter oder entsprechenden Begleiterkrankungen ist manchmal ein eintägiger stationärer Aufenthalt notwendig.
Im Vergleich dazu erfolgt nach einer klassischen Stripping-Operation in der Regel eine Übernachtung im Krankenhaus, um mögliche Nachblutungen oder andere Komplikationen auszuschließen. Welche Operationsmethode gewählt wird, hängt sowohl von den anatomischen Voraussetzungen als auch von den persönlichen Wünschen der Betroffenen ab.
„Frühere Lasersysteme galten als vergleichsweise aggressiv und verursachten häufiger Gewebeschäden. Moderne Geräte arbeiten hingegen deutlich präziser und schonender, weshalb sie heute vielfach der Radiofrequenzablation vorgezogen werden. Welche Therapie letztlich die beste ist, entscheidet jedoch immer die ausführliche Ultraschalluntersuchung“, so der Experte.
Bei gewisser Indikation kommt die Schaumverödung als Therapieoption in Frage. Verfahren mit Venenkleber werden derzeit von den Krankenkassen meist nicht übernommen und müssen privat bezahlt werden.
Die klassische Stripping-Operation bleibt dennoch eine bewährte Therapie. Sie ist insbesondere dann sinnvoll, wenn minimalinvasive Verfahren nicht geeignet sind oder von den Patientinnen und Patienten nicht gewünscht werden. Nach einer Laserbehandlung verbleibt die verschlossene Vene zunächst im Körper und wird erst innerhalb von drei bis vier Monaten vollständig vom Organismus abgebaut. Manche Betroffene empfinden diesen Prozess als unangenehm und entscheiden sich deshalb bewusst für die klassische Operation.
Genetisch bedingte Venenschwäche
Keine Behandlung kann verhindern, dass sich im Laufe der Zeit erneut Krampfadern bilden. Häufig liegt eine genetisch bedingte Venenschwäche vor, die auch nach einer erfolgreichen Operation bestehen bleibt. Umso wichtiger sind regelmäßige Bewegung, gezielte Venengymnastik und ein aktiver Lebensstil. Wer beruflich lange sitzen oder stehen muss, sollte regelmäßig kleine Bewegungspausen einlegen. Kompressionsstrümpfe können dabei nicht nur nach einer Operation, sondern auch langfristig sinnvoll sein.
Auch Kneipp-Anwendungen haben bis heute ihren festen Platz in der Venengesundheit. Kalte oder wechselwarme Duschen regen die Durchblutung an und unterstützen die Funktion der Venen. Bereits fünf bis zehn Minuten Gymnastik am Morgen helfen, die Muskelpumpe und den Lymphabfluss zu aktivieren.
Eine hundertprozentige Vorbeugung gegen Krampfadern gibt es zwar nicht. Wer jedoch frühzeitig auf Warnsignale achtet, seine Venen regelmäßig entlastet und Beschwerden rechtzeitig behandeln lässt, kann die Erkrankung meist gut kontrollieren. Gleichzeitig entwickelt sich die Medizin stetig weiter und bietet heute immer schonendere Verfahren, um Krampfadern wirksam und individuell zu behandeln.

