Wann ist Schnarchen gefährlich?

Portrait OA Stefan Binder
OA Stefan Binder vom Schlaflabor der Klinik Oberpullendorf erklärt in der Radio Burgenland Sprechstunde, wann das nächtliche „Sägen“ nur störend ist, wann ärztliche Begutachtung notwendig wird und was Patient*innen selbst für einen erholsamen Schlaf tun können.

Über das Schnarchen werden gerne Witze gemacht. Nehmen viele Menschen das Thema auf die leichte Schulter? „Man muss zwei Arten von Schnarchen unterscheiden“, so OA Stefan Binder, ärztlicher Leiter des Schlaflabors in der Klinik Oberpullendorf, „ein leises, gleichmäßiges Schnarchen, das nicht zu Atemaussetzern führt, das ist harmlos. Dann gibt es das laute Schnarchen, teilweise bis zu 60 Dezibel, das ist die Lautstärke eines vorbeifahrenden LKW – wenn das in Kombination mit Atemaussetzern, mit nächtlicher Atemnot und Tagesmüdigkeit auftritt, dann ist unbedingt ärztliche Abklärung erforderlich.“

Lebenszeitverkürzende Erkrankung

Eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe, also eine ernsthafte Atemstörung während des Schlafs, kann extreme – lebenszeitverkürzende – Auswirkungen haben. Denn es wird dabei nicht nur das Gehirn mit zu wenig Sauerstoff versorgt, auch das Herz oder innere Organe leiden unter dem „Stress“, den die Atemstörung auslöst. Bleibt dies jahrelang unbehandelt, können Diabetes oder Herzinfarkte auftreten. Auch die Verkehrssicherheit – Stichwort: Sekundenschlaf – kann herabgesetzt sein. Deshalb versucht das Team des Schlaflabors in der Klinik Oberpullendorf, die Ursachen für die Atemaussetzer herauszufinden und die Auswirkungen zu begrenzen.

Auf die Partnerin hören!

Männer wollen sich oft nicht eingestehen, dass sie laut schnarchen. „Dann sind es meist die Frauen, die ihre Partner ins Schlaflabor ‚zerren‘, und ihnen so – im Falle einer schweren Schlafapnoe – das Leben retten“, so Binder. Allerdings sind, bevor man dem Schlaflabor zugewiesen wird und dort eine Nacht verbringt, Voruntersuchungen (HNO-Status, Befund von Lungenärzt*innen, Blutuntersuchung) notwendig.

Als Vorstufe zur Nacht im Schlaflabor gilt die sogenannte ambulanten Polygraphie. Hier können Patient*innen ihren Schlaf mit einem mobilen Gerät, das von Lungen- oder HNO-Ärzt*innen geliehen werden kann, messen lassen. „Die ambulante Polygraphie ist nicht so genau wie die Messungen im Schlaflabor, aber ein probates Mittel, um abzuschätzen, ob eine ernste Atemstörung vorliegt“, weiß der Oberarzt.

Hoffnung auf „Anti-Schnarch-Pille“?

Eine mögliche neue Behandlungsform könnte es schon bald in Form einer Pille geben. Sie bewirkt, dass die Zungenmuskulatur angespannt ist und dadurch die Atemwege frei sind. Die Pille stellt eine Alternative für jene Patient*innen dar, die die Atemmaske nicht vertragen. Die ersten Daten sind vielversprechend, allerdings gibt es in Europa noch keine Zulassung für das Medikament.

OA Binder: „Jede und jeder Einzelne kann mit schlafhygienischen Maßnahmen auch selbst für Verbesserung der Schlafqualität sorgen.“ Dazu zählen: Kurz vor dem Schlafen gehen nichts mehr essen, keinen Alkohol trinken und nicht rauchen. Denn all das begünstigt die Schlafapnoe. Weil sie darüber hinaus oft mit Adipositas – krankhaftem Übergewicht – einhergeht, ist eine Gewichtsabnahme zu empfehlen. Hier kann die Abnehmspritze helfen. Studien zeigen, dass mit der Reduktion von (Über-)Gewicht gleichzeitig die Anzahl der Atemaussetzer zurückgeht. Binder: „Goldstandard bleibt aber die CPAP-Therapie, also die Atemmaske.“ 

Ein Mix an Maßnahmen

Auch beim „harmlosen“ Schnarchen kann eine Abklärung in einer HNO-Abteilung sinnvoll sein. „Denn das Schnarchen könnte von Polypen in der Nase oder einer großen Gaumen-Mandel kommen“, weiß Binder. Oft hilft es schon, auf der Seite und nicht am Rücken zu schlafen. Weitere Tipps für guten und geräuschloseren Schlaf: Gut lüften, für etwas Luftfeuchtigkeit sorgen, den Raum gut abdunkeln, Lärmquellen so gut es geht vermeiden sowie Fernseher, Laptop und Handy aus dem Schlafzimmer verbannen. Pflanzliche Mittel wie Lavendel, Hopfen oder Baldrian können unterstützend eingesetzt werden.