Es beginnt oft mit einem brennenden Gefühl hinter dem Brustbein oder saurem Aufstoßen. Was viele als harmlose Begleiterscheinung nach einem üppigen Essen abtun, kann auf eine Refluxerkrankung hinweisen – und unbehandelt ernsthafte Folgen haben. In der Radio Burgenland Sprechstunde erklärte Oberärztin Dr.in Linda Varady von der chirurgischen Abteilung der Klinik Oberpullendorf, wann Handlungsbedarf besteht, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie sich Beschwerden vermeiden lassen.
Frau Dr.in Varady, wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Sodbrennen und Reflux?
Sodbrennen ist zunächst ein Symptom – ein brennendes oder unangenehmes Gefühl hinter dem Brustbein oder im Oberbauch. Von einer Refluxerkrankung spricht man, wenn Magensäure regelmäßig in die Speiseröhre zurückfließt. Geschieht das dauerhaft, kann die Schleimhaut geschädigt werden.
Warum sollte häufiges Sodbrennen ernst genommen werden?
Magensäure kann die Schleimhaut der Speiseröhre angreifen und Entzündungen oder Vernarbungen verursachen. Dadurch können Schluckbeschwerden entstehen. Bleibt die Erkrankung über Jahre unbehandelt, erhöht sich zudem das Risiko für Vorstufen von Speiseröhrenkrebs und in seltenen Fällen auch für Krebs.
Wer ist besonders gefährdet?
Vor allem Menschen mit Übergewicht und Raucherinnen und Raucher haben ein erhöhtes Risiko. Gewichtsreduktion und Rauchstopp gehören daher zu den wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen. Auch Leistungssportler*innen können betroffen sein, da intensive körperliche Belastung Reflux begünstigen kann.
Reflux kann sich manchmal wie ein Herzinfarkt anfühlen. Wie unterscheidet man die Symptome?
Das ist für Laien kaum möglich. Starke Schmerzen im Brustkorb sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Ein Herzinfarkt muss in solchen Situationen unbedingt ausgeschlossen werden, da er lebensbedrohlich sein kann.
Hat jeder Mensch mit Reflux auch Sodbrennen?
Nein. Die Refluxerkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Manche Betroffene haben bereits Veränderungen an der Speiseröhre, obwohl sie kaum Beschwerden verspüren. Andere leiden unter starkem Sodbrennen, häufigem Aufstoßen oder sogenanntem Volumenreflux, bei dem Mageninhalt bis in den Mund zurückfließt.
Welche weiteren Beschwerden können auftreten?
Neben Sodbrennen können chronischer Reizhusten, Heiserkeit, wiederkehrende Kehlkopfentzündungen oder asthmaähnliche Beschwerden auftreten. Manchmal sind diese Symptome sogar die einzigen Anzeichen einer Refluxerkrankung.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Der erste Ansprechpartner ist die Hausärztin oder der Hausarzt. Je nach Beschwerden folgen weitere Untersuchungen wie eine Magenspiegelung mit Gewebeprobe. Zusätzlich können eine 24-Stunden-pH-Messung und eine Druckmessung der Speiseröhre notwendig sein, um die Ursache der Beschwerden genau festzustellen.
Was hilft bei leichteren Beschwerden?
Gelegentlich können säureneutralisierende Mittel wie Natron Linderung verschaffen. Sie sollten jedoch nicht dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden, da Magensäure für die Verdauung wichtig ist.
Welche Medikamente haben sich bewährt?
Als Standardtherapie gelten Protonenpumpenhemmer (PPI). Sie hemmen die Säureproduktion im Magen und werden in der Regel gut vertragen. Ziel ist vor allem, die Beschwerden zu lindern und Folgeschäden an der Speiseröhre zu verhindern.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Wenn Medikamente nicht ausreichend helfen oder ein Zwerchfellbruch die Ursache des Refluxes ist, kann eine Operation sinnvoll sein. Voraussetzung ist eine sorgfältige Diagnostik, damit nur Patientinnen und Patienten operiert werden, die tatsächlich von dem Eingriff profitieren.
Wie läuft die Operation ab?
Meist erfolgt der Eingriff minimalinvasiv in Schlüssellochtechnik. Dabei wird der vergrößerte Durchtritt der Speiseröhre durch das Zwerchfell verkleinert. Zusätzlich kann eine sogenannte Fundoplikatio durchgeführt werden: Der obere Teil des Magens wird um die Speiseröhre gelegt und verstärkt so den natürlichen Verschlussmechanismus.
Welche Risiken gibt es?
Die Operation gilt als schonend und wird in den meisten Fällen gut vertragen. Vorübergehend kann sich das Schluckgefühl verändern, weil der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen enger ist. In der Regel gewöhnen sich die Patientinnen und Patienten jedoch daran.
Wie lässt sich Reflux vorbeugen?
Hilfreich sind Normalgewicht, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung mit wenig Fett. Große Mahlzeiten am Abend sollten vermieden werden. Empfehlenswert ist außerdem, drei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr zu essen. Wer nachts Beschwerden hat, profitiert häufig von einer erhöhten Oberkörperlagerung oder dem Schlafen auf der linken Seite.
Welche Lebensmittel verschlimmern die Beschwerden?
Viele Betroffene reagieren empfindlich auf kohlensäurehaltige Getränke, scharfe Gewürze, Kaffee, schwarzen Tee oder Alkohol. Welche Lebensmittel Beschwerden auslösen, ist allerdings individuell unterschiedlich.
Welche Alltagstipps helfen?
Nach dem Essen ist ein etwa 30-minütiger Spaziergang sinnvoll. Er regt die Verdauung an und kann Refluxbeschwerden lindern. Außerdem sollten Rauchen, spätes Essen und enge Kleidung vermieden werden, da sie den Druck auf den Magen erhöhen.
Gibt es Lebensmittel, die guttun?
Eine ballaststoffreiche Ernährung unterstützt die Verdauung und wirkt sich häufig auch positiv auf Refluxbeschwerden aus. Generell gilt: Was den Magen-Darm-Trakt gesund hält, hilft meist auch bei Reflux.
Ist Reflux eine Wohlstandserkrankung?
Ja. Die Erkrankung tritt heute deutlich häufiger auf als noch vor einigen Jahrzehnten. Zwar entwickeln nur wenige Betroffene schwerwiegende Komplikationen, dennoch sollte häufiger Reflux ernst genommen und gegebenenfalls behandelt werden.
Welche Behandlungen bietet die Klinik Oberpullendorf an?
An der Klinik Oberpullendorf führen wir die laparoskopische Hiatoplastik und Fundoplikatio durch – als bewährte minimalinvasive Operationsverfahren zur Behandlung der Refluxerkrankung.

