Osteoporose ist eine Störung des Knochenstoffwechsels und entwickelt sich schleichend. „Unsere Knochen befinden sich ein Leben lang in einem ständigen Auf- und Abbauprozess. In jungen Jahren überwiegt der Aufbau. Bis etwa zum 20. Lebensjahr wird die maximale Knochendichte erreicht. Zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr halten sich Aufbau und Abbau in etwa die Waage. Ab dem 40. Lebensjahr beginnt der Knochen langsam an Substanz zu verlieren – bei Frauen verstärkt durch die hormonellen Veränderungen rund um die Wechseljahre“, erklärt Primaria Dr. in Lea Verner, Leiterin der Abteilung für Inneres an der Klinik Kittsee. Da dieser Prozess lange keine Beschwerden verursacht, wird Osteoporose häufig erst nach einem Knochenbruch diagnostiziert. Genau das gilt es zu vermeiden.
Risikofaktoren kennen und erkennen
Besonders aufmerksam sollten Frauen in der Prämenopause und Menopause sein, da der Rückgang des Hormons Östrogen den Knochenabbau beschleunigt. Auch eine familiäre Vorbelastung, etwa wenn Eltern einen Oberschenkelhalsbruch erlitten haben, erhöht das Risiko. Chronische Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen sowie eine längerfristige Therapie mit Cortison zählen ebenfalls zu den Risikofaktoren. Wer über mehr als drei Monate Cortison einnehmen muss, sollte unbedingt auch an den Schutz der Knochen denken. Hausärztinnen und Hausärzte spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahmen und familiäre Belastungen kennen und ein frühzeitiges Screening veranlassen können.
Eine erste Basisuntersuchung empfiehlt sich für Frauen rund um die Prämenopause. Dazu gehören eine Knochendichtemessung, eine Blutuntersuchung mit Bestimmung von Kalzium, Vitamin D und speziellen Knochenstoffwechselmarkern sowie gegebenenfalls ein Röntgenbild der Wirbelsäule. „Die Knochendichtemessung allein reicht nicht aus, um eine Osteoporose sicher festzustellen. Erst das Zusammenspiel aus Anamnese, Laborwerten, bildgebender Diagnostik und ärztlicher Untersuchung ermöglicht eine fundierte Diagnose“, erklärt die Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie. Besonders häufig betroffen sind die Wirbelsäule, der Oberschenkelhals und der Unterarm. Vor allem die Enden der sogenannten Röhrenknochen werden bei Osteoporose porös. Schon geringe Belastungen oder ein harmloser Sturz können dann zu einem Bruch führen. Äußerlich können sich Veränderungen wie ein Rundrücken, ein Größenverlust oder charakteristische Hautfalten am Rücken zeigen. „Nicht jede dieser Veränderungen bedeutet automatisch Osteoporose, doch sie sollten Anlass für eine ärztliche Abklärung sein“, wirft die Expertin ein.
Therapiemöglichkeiten
Therapeutisch stehen heute unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Je nach Stadium können Medikamente eingesetzt werden, die den weiteren Knochenabbau bremsen. In fortgeschrittenen Fällen, wenn bereits Brüche aufgetreten sind, gibt es auch Therapien, die den Knochenaufbau gezielt anregen. In den Wechseljahren kommen mitunter Präparate zum Einsatz, die die positive Wirkung von Östrogen auf den Knochen nachahmen, ohne den gesamten Körper hormonell zu beeinflussen.
Lebensstil ausschlaggebend
Neben der medikamentösen Therapie spielt der Lebensstil eine entscheidende Rolle. Eine knochengesunde Ernährung basiert vor allem auf einer ausreichenden Kalziumzufuhr von etwa 1000 Milligramm täglich. „Milchprodukte wie Hartkäse oder Topfen sind besonders kalziumreich, doch auch Hülsenfrüchte und bestimmte Kohlsorten liefern wertvolle Mengen und bieten somit auch für Veganerinnen und Veganer gute Alternativen. Ebenso wichtig ist Vitamin D, das die Aufnahme von Kalzium unterstützt“, weiß die Primaria. Da in Mitteleuropa vor allem in den Wintermonaten häufig ein Mangel besteht, kann nach ärztlicher Kontrolle eine Supplementierung sinnvoll sein. Eine unkontrollierte Einnahme ist jedoch nicht ratsam, da Überdosierungen – insbesondere von Vitamin D – gesundheitliche Beschwerden verursachen können.
Bewegung ist ein weiterer zentraler Baustein der Prävention. Knochen reagieren auf Belastung, insbesondere auf Stoß- und Druckreize. Gehen, Walken oder leichtes Lauftraining auf festem Untergrund stimulieren den Knochenstoffwechsel. Auch Krafttraining mit kleinen Gewichten stärkt nicht nur die Muskulatur, sondern entlastet gleichzeitig das Skelett. Besonders wichtig ist eine kräftige Rumpfmuskulatur, da sie die Wirbelsäule stabilisiert. Bei bestehender Osteoporose sollte zusätzlich auf eine konsequente Sturzprophylaxe geachtet werden. Gutes Schuhwerk, Gleichgewichtstraining und regelmäßige Bewegung können helfen, das Risiko für Frakturen deutlich zu reduzieren.
Vorsorgebewusstsein wächst
Das Bewusstsein für Osteoporose ist in den vergangenen Jahren gewachsen, auch in der Vorsorgemedizin. Dennoch wird die Erkrankung noch immer häufig erst nach einem Knochenbruch erkannt. Dabei gilt: Man kann nie zu früh beginnen, etwas für seine Knochengesundheit zu tun – und es ist auch nie zu spät, damit anzufangen. Früherkennung, gezielte Therapie, ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung sind der Schlüssel zu stabilen Knochen bis ins hohe Alter.

