Mehr Lebensqualität durch smarte Diabeteshelfer

DGKP Christine Drobits
Die Technik erleichtert unser Leben – auch in der Medizin. Besonders in der Diabetesbehandlung hat es in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gegeben. Welche Entwicklungen es gibt und wie der aktuelle Stand der Behandlung aussieht, darüber sprach DGKP Christine Drobits, Diabetesberaterin an der Klinik Oberwart, in der Radio Burgenland Sprechstunde.

Früher mussten Menschen mit Diabetes sich mehrmals täglich in den Finger stechen, um ihren Blutzucker zu messen. Heute übernehmen Glukosesensoren diese Aufgabe. Sie messen rund um die Uhr, zeigen den Verlauf des Blutzuckers und warnen frühzeitig vor steigenden oder fallenden Blutzucker-Werten. Das erhöht die Sicherheit und erleichtert den Alltag. „Die Sensoren, am Oberarm oder Bauch angebracht, können selbstständig gesetzt werden und müssen je nach Modell alle sieben bis 15 Tage gewechselt werden “, erklärt DGKP Christine Drobits, Diabetesberaterin an der Klinik Oberwart. Duschen, Schwimmen oder Sport sind problemlos möglich. Über Bluetooth werden die Daten direkt an Smartphone oder Smartwatch übertragen.

Praktisch ist auch die sogenannte Follower-Funktion „Das heißt, ich kann jemanden einladen, meine Blutzuckerwerte mitzuverfolgen. Das ist vor allem für alleinstehende Menschen oder bei Kindern mit Diabetes sehr praktisch, da Follower über die aktuellen Blutzuckerwerte informiert werden und, wenn nötig, unterstützen können.“

Moderne Pens und Pumpensysteme

Im Rahmen der Insulintherapie stehen moderne Pens und Pumpensysteme zur Verfügung. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Einweg- Insulinpens und wiederverwendbaren Insulinpens. Während Einweg-Pens nach dem Aufbrauchen des Insulins entsorgt werden, wird bei wiederverwendbaren Pens lediglich die Insulinpatrone ausgetauscht. Moderne Smartpens gehen jedoch einen Schritt weiter: Sie speichern automatisch jede abgegebene Insulindosis, dokumentieren Zeitpunkt und Menge der Injektion und können mit einer Smartphone-App verbunden werden.

Besonders intelligente Smartpen-Systeme verfügen zusätzlich über einen integrierten Bolusrechner. Dieser berücksichtigt den aktuellen Glukosewert, die geplante Kohlenhydratmenge sowie bereits noch wirksames Insulin und berechnet daraus die individuell empfohlene Insulindosis. Das erhöht die Therapiesicherheit, reduziert mögliche Dosierungsfehler und erleichtert gleichzeitig die Betreuung durch Ärztinnen und Ärzte – auch im Rahmen telemedizinischer Konsultationen“, erklärt DGKP Christine Drobits.

Insulinpumpen entwickeln sich zunehmend zu sogenannten Closed-Loop-Systemen. Sie geben automatisch Insulin ab und reagieren auf steigende oder sinkende Blutzuckerwerte. Nur die aufgenommenen Kohlenhydrate müssen derzeit noch manuell eingegeben werden.Ein weiterer Vorteil: Auch betreuende Ärzte und Ärztinnen können via Telekonzils Einblicke in die aktuellen Daten nehmen.

Verständnis für die Krankheit wichtig

Trotz aller technischen Unterstützung bleibt das Verständnis für die eigene Erkrankung ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Diabetesbehandlung. Moderne Technologien erleichtern das Diabetesmanagement, ersetzen jedoch nicht das notwendige Wissen über den Einfluss von Bewegung, Ernährung, Stress oder Erkrankungen auf den Glukosestoffwechsel. Nutzerinnen und Nutzer müssen auch weiterhin besondere Situationen richtig einschätzen und bei Bedarf entsprechend handeln.

„Wer, erkrankt bzw. einen Infekt hat muss wissen, dass die Glukosewerte häufig ansteigen können. Umgekehrt kann körperliche Aktivität zu sinkenden Glukosewerten führen. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig zu reagieren – beispielsweise durch eine Anpassung der Insulindosis oder die Aufnahme zusätzlicher Kohlenhydrate“, so das Plädoyer der Expertin trotz Technik immer auch mitzudenken.

Die neuen Technologien bieten nicht nur Menschen mit insulinpflichtigem Diabetes Vorteile. Auch bei Prädiabetes können Glukosesensoren helfen, den Einfluss von Ernährung, Bewegung und Stress besser zu verstehen und frühzeitig den Lebensstil anzupassen.

Der Blick in die Zukunft stimmt Christine Drobits optimistisch. Neue Medikamente und immunologische Therapien könnten den Ausbruch von Typ-1-Diabetes verzögern. Auch die Diabetes-Technologie entwickelt sich kontinuierlich weiter. Ein besonderes Zukunftsziel sind vollständig automatisierte Closed-Loop-Systeme, die nicht nur die Insulinabgabe selbstständig steuern, sondern künftig auch Mahlzeiten beziehungsweise die Kohlenhydrataufnahme automatisch erkennen und berücksichtigen. „Diese Entwicklungen haben das Potenzial, den Therapieaufwand weiter zu reduzieren und Menschen mit Diabetes damit den Alltag weiter zu erleichtern“, blickt DGKP Christine Drobits zuversichtlich in die Zukunft.