Lebensader Aorta

Ein Arzt steht in der Magistrale der Klinik Oberwart
Herzspezialist Dr. Paul Vock von der Klinik Oberwart erklärt in der Radio Burgenland Sprechstunde die zentrale Bedeutung der Aorta für unseren Körper.

Die Aorta ist die Hauptschlagader des Menschen und wird heutzutage sogar als eigenes Organ betrachtet. Sie entspringt direkt am Herzen und verteilt das Blut im gesamten Körper. Dabei übernimmt sie eine entscheidende Zusatzfunktion: die sogenannte Windkesselfunktion. Diese sorgt dafür, dass der Blutdruck auch zwischen den Herzschlägen aufrechterhalten bleibt. Während der systolische Wert den maximalen Druck beim Auspumpen des Herzens beschreibt, steht der diastolische Wert für den Druck, den die Aorta durch ihre Elastizität aufrechterhält.

Über die Aorta gelangen Sauerstoff und Nährstoffe in alle Körperregionen. Ihr Verlauf ist charakteristisch: Sie steigt vom Herzen auf, bildet im Brustkorb einen Bogen und zieht dann abwärts in den Bauchraum, wo sie sich schließlich in die Beckengefäße aufteilt. „Oft wird ihre Form mit einem Bischofsstab verglichen. Vom Aortenbogen zweigen wichtige Gefäße zum Gehirn und zu den Armen ab, im weiteren Verlauf versorgt sie den gesamten Körper“, erklärt Dr. Paul Vock von der Klinik Oberwart.

Für die Gesundheit der Aorta ist es entscheidend, Gefäßverkalkungen – also Arteriosklerose – zu vermeiden. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen Rauchen, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes. Auch Bluthochdruck spielt eine zentrale Rolle: Er bleibt häufig unbemerkt, kann die Gefäße jedoch langfristig schädigen.

Lebensbedrohliche Einrisse

Die Aorta misst normalerweise maximal 36 bis 40 Millimeter im Durchmesser, abhängig von Körpergröße und Geschlecht. Vergrößert sie sich darüber hinaus, steigt das Risiko für gefährliche Komplikationen wie einen Einriss oder ein Platzen der Gefäßwand.

Ein besonders bedrohliches Ereignis ist die sogenannte Aortendissektion. Dabei reißt die Innenwand der Aorta ein – ein lebensbedrohlicher Notfall. Rund die Hälfte der Betroffenen stirbt innerhalb von 24 Stunden, wenn nicht sofort gehandelt wird. In solchen Fällen ist eine rasche Operation notwendig, bei der der geschädigte Abschnitt durch eine Gefäßprothese ersetzt wird.

„Typische Alarmzeichen sind plötzlich auftretende, extrem starke Schmerzen im Brustkorb, die oft in Rücken, Beine oder Hals ausstrahlen, ein sogenannter Vernichtungsschmerz. Auch Lähmungen, Übelkeit oder Atemnot können auftreten. In solchen Situationen zählt jede Minute“, warnt der Herzspezialist.

Besonders tückisch ist, dass es meist keine Vorboten gibt. Deshalb ist es wichtig, eine Erweiterung der Aorta frühzeitig zu erkennen. Bei familiärer Vorbelastung sowie bei Männern ab dem 65. Lebensjahr wird ein Screening der Bauchaorta mittels Ultraschall empfohlen. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen – etwa drei- bis fünfmal so oft.

Verbesserte Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren stark verbessert. Während im Akutfall eine sofortige Operation erforderlich ist, können bekannte Aneurysmen oft minimalinvasiv, also endovaskulär, behandelt werden. Dabei arbeiten Herzchirurgie und interventionelle Spezialist*innen eng zusammen.

„Kleinere Erweiterungen der Aorta werden zunächst regelmäßig kontrolliert. Entscheidend ist dabei, ob und wie schnell sie wachsen“, so der Mediziner. Neben medizinischer Therapie spielt der Lebensstil eine wesentliche Rolle: Blutdruck und Cholesterin sollten gut eingestellt sein, um das Risiko zu senken.

Auch nach einer Operation sind regelmäßige Nachkontrollen wichtig, meist einmal jährlich. So können mögliche Veränderungen frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Prävention

Zur Vorbeugung kann jede und jeder selbst viel beitragen. Ein gesunder Lebensstil ist entscheidend: nicht rauchen, ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Besonders empfehlenswert ist eine pflanzenreiche Kost mit wenig gesättigten Fetten, um den Cholesterinspiegel niedrig zu halten. Nahrungsergänzungsmittel können sinnvoll sein, sollten jedoch nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden.

Viele Menschen ändern ihren Lebensstil erst nach einem einschneidenden Erlebnis – sei es eine eigene Erkrankung oder ein Fall im persönlichen Umfeld. Ärztliche Beratung kann dabei unterstützen, den richtigen Weg einzuschlagen. Entscheidend ist jedoch die eigene Bereitschaft, aktiv etwas für die Gesundheit zu tun.