Der Schritt vom Krankenhaus zurück nach Hause ist für viele Patient*innen und ihre Angehörigen mit gemischten Gefühlen verbunden. Neben Erleichterung treten häufig Unsicherheiten und offene Fragen auf. DGKP Eva Marlovits, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und zuständig für das Entlassungsmanagement an der Klinik Oberwart, erklärt, wie eine sichere und gut geplante Entlassung gelingt.
Entlassungsmanagement startet nicht erst am Tag der Entlassung, sondern bereits bei der Aufnahme ins Krankenhaus. „Das Pflegepersonal führt auf der Station ein Assessment durch, um festzustellen, ob ein erhöhter Versorgungsbedarf besteht“, erklärt DGKP Eva Marlovits. Wird dieser erkannt, erfolgt die Zuweisung an das Entlassungsmanagement. Bereits am darauffolgenden Tag nehmen die zuständigen Pflegepersonen Kontakt zu den Patient*innen und/oder deren Angehörigen auf.
Planung für eine reibungslose Entlassung
Eine gute Entlassungsplanung ist essenziell. Das Entlassungsmanagement arbeitet interdisziplinär und steht in engem Austausch mit Ärzt*innen, Pflegepersonal der jeweiligen Station sowie Therapeut*innen. Auf Basis dieser Zusammenarbeit und der pflegerischen Expertise wird ein individueller Entlassungsplan erstellt.
Patient*innen ohne besonderen Versorgungsbedarf werden im Rahmen des sogenannten direkten Entlassungsmanagements entlassen. Dies erfolgt durch das Pflegepersonal der Station und den Arztbrief. „Das Entlassungsmanagement selbst betreut nur jene Patientinnen und Patienten, bei denen ein erhöhter Unterstützungsbedarf besteht. Wir überlegen gemeinsam: Wie geht es zu Hause weiter? Welche Bedürfnisse gibt es? Was muss organisiert werden?“, beschreibt die Expertin ihre Arbeit.
Standardisierte Prozesse – individuelle Lösungen
In der Klinik Oberwart orientiert sich das Entlassungsmanagement am Case-Management-Regelkreis. Diese Vorgehensweise ist gesetzlich vorgegeben und bundesweit einheitlich geregelt. Der konkrete Entlassungsplan ist jedoch stets individuell. „Dabei werden die vorhandenen Ressourcen der Patientinnen und Patienten genau betrachtet: Wie war die Betreuung vor der Aufnahme? Welche Wünsche haben die Betroffenen selbst, welche die Angehörigen?“, so Eva Marlovits.
Ein frühzeitiger Kontakt mit allen Beteiligten sowie die rechtzeitige Festlegung eines Entlassungstermins sind entscheidend, um Überforderung zu vermeiden. Ebenso wichtig ist eine gezielte und verständliche Information.
Was können Patient*innen und Angehörige selbst tun?
Eine zentrale Voraussetzung ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Entlassungsmanagement, Offenheit für Vorschläge und das Annehmen von Unterstützung. Gute Vorbereitung ist dabei das A und O. Im Entlassungsplan werden konkrete Maßnahmen festgelegt, die idealerweise bereits vor dem Entlassungstag umgesetzt sind: etwa eine benötigte Gehhilfe, organisierte Hauskrankenpflege oder andere Unterstützungsangebote.
Vielfältige Unterstützung im Krankenhaus
Das Entlassungsmanagement bietet umfassende Hilfe: von der Unterstützung bei Anträgen für Pflegegeld oder Sozialhilfe über Beratung in Pflegefragen bis hin zu Informationen über 24-Stunden-Betreuung, Hauskrankenpflege, Essen auf Rädern oder mobile Palliativteams.
Auch die Organisation von Heil- und Hilfsmitteln, Verbandsmaterial, Remobilisationsaufenthalten, Rehabilitation oder – wenn nötig – Kurz- oder Langzeitpflegeplätzen in Pflegeheimen gehört dazu.
Manchmal brauchen Angehörige mehr Zeit für organisatorische Schritte. „In solchen Fällen wird intensiv unterstützt, und eine Entlassung kann unter Umständen um einige Tage verschoben werden“, weiß Eva Marlovits.
Zur Qualitätssicherung gehört eine telefonische Nachbetreuung: Innerhalb von 48 Stunden nach der Entlassung wird Kontakt aufgenommen, um zu klären, ob alle benötigten Maßnahmen umgesetzt wurden. Zudem besteht ein enger Austausch mit Netzwerkpartner*innen wie Hauskrankenpflegen oder Pflegeheimen.
Auch nach der Entlassung können sich Patient*innen und Angehörige jederzeit an das Entlassungsmanagement wenden. Bei Bedarf erfolgt eine Weiterleitung an Pflege- und Beratungsstellen der Bezirkshauptmannschaften. Beschwerden sollten möglichst direkt an die jeweilige Station oder über das Kontaktformular der Klinik gerichtet werden. Alternativ stehen Ombudsmann oder Patientenanwaltschaft zur Verfügung – empfohlen wird stets das direkte Gespräch.
„Uns ist es wichtig, Vertrauen zu schaffen“, so die Leiterin des Entlassungsmanagements der Klinik Oberwart. Vertrauen entsteht durch Offenheit, gute Erreichbarkeit und Fachwissen. Das Entlassungsmanagement ist während der Dienstzeiten telefonisch und persönlich erreichbar und verfügt über umfassende Kenntnisse der Versorgungsstrukturen im Burgenland sowie in angrenzenden Bundesländern.
Wenn keine Angehörigen vorhanden sind
Gibt es keine Angehörigen, wird individuell vorgegangen. Ist eine Person nicht mehr entscheidungsfähig, etwa aufgrund einer Demenzerkrankung, werden Pflege- und Sozialberatungen der Bezirkshauptmannschaften oder andere zuständige Stellen eingebunden. Gegebenenfalls wird auch eine Erwachsenenvertretung angeregt. In jedem Fall wird für eine Betreuung gesorgt.
Natürlich gäbe es auch Herausforderungen im System. Etwa, wenn Patient*innen aufgrund einer Akutsituation einen Pflegeheimplatz benötigen, jedoch keine oder nur eine niedrige Pflegegeldstufe haben. Für die Finanzierung eines Pflegeheimplatzes ist in der Regel Pflegegeldstufe 4 erforderlich. „Der Weg dorthin ist oft lang und kompliziert, was zu verlängerten Krankenhausaufenthalten führen kann. Schnellere Verfahren und mehr Flexibilität wären hier wünschenswert“, gibt Eva Marlovits zu bedenken.
Nicht nur die reibungslose Zusammenarbeit im Team, sondern auch jene mit den Betroffenen sei enorm wichtig. „Empathie ist zentral: die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und ihre Situation zu verstehen. Auch Lebenserfahrung und ein sicherer Umgang mit belastenden Situationen sind essenziell“, so die Expertin.
Vorsorge statt Überforderung
Akute Pflegebedürftigkeit trifft viele Familien unvorbereitet. Eva Marlovits empfiehlt, frühzeitig Gespräche in ruhigen Momenten zu führen: Wie möchte man im Fall von Pflegebedürftigkeit leben? Zuhause mit Unterstützung oder in einem Pflegeheim? „Kennt man die Wünsche seiner Angehörigen, fallen Entscheidungen leichter“, so die Expertin abschließend.

