Aufenthalt im Spital: „Kinder brauchen Klarheit“

Prim. Ernst Prethaler im weißen Arztkittel
Wenn das eigene Kind ins Krankenhaus muss, dann ist das für Eltern und Kind eine Ausnahmesituation. Primarius Dr. Ernst Prethaler, der Leiter der Kinder und Jugendheilkunde mit Neonatologie an der Klinik Oberwart, erklärt in der Radio Burgenland Sprechstunde, welche Maßnahmen von Seiten des Teams gesetzt werden, um allen Beteiligten den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.

Herr Primarius, gerade wenn es um Kinder geht, wird ja alles darangesetzt, ihnen den Krankenhausaufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Aus Ihrer Erfahrung: Wie gelingt es, kleinen Patientinnen und Patienten die Angst zu nehmen und ihr Vertrauen zu gewinnen?

Primarius Prethaler: Eigentlich ist es denkbar einfach – und genau das überrascht mich immer wieder. Gleichzeitig ist es fast schockierend, wie wenig wir in dieses Sensorium investieren: Kinder wirklich so wahrzunehmen, wie sie sind.

Wie gelingt das? Indem man ihnen in erster Linie authentisch begegnet. Nichts irritiert Kinder mehr als jemand, der sich aufgesetzt verhält oder versucht, etwas darzustellen, das er nicht ist. Kinder spüren sehr schnell, ob jemand ehrlich und glaubwürdig auf sie zugeht.

Das heißt: Kinder brauchen Klarheit. Das beginnt beim persönlichen Zugang. Und vor allem brauchen sie Informationen, damit sie nicht das Gefühl haben, der Situation ausgeliefert oder ohnmächtig zu sein. Dafür braucht es gar nicht viel. Oft reichen schon ein paar konkrete Details, damit sich das Unbekannte besser vorstellen lässt und dadurch ein Stück weit seine Bedrohlichkeit verliert.

Die Tatsache, dass man mit Kindern spricht und nicht über sie, und dass man ihnen Dinge auf kindgerechte Art und Weise erklärt – all das kostet Zeit, die man sich nehmen muss. Wie wichtig ist es, diese Basis zu schaffen und zunächst einmal Vertrauen aufzubauen?

Erstaunlicherweise ist auch das ganz einfach. Das gelingt oft innerhalb weniger Sekunden. Wir kennen das grundsätzlich aus der Kommunikationsforschung und aus anderen Bereichen sozialer Interaktion: Es gibt diesen magischen Moment, in dem sich ein Kind entweder verschließt oder öffnet.

Jedes Kind reagiert natürlich anders. Entscheidend ist aber, dass man ihm die Möglichkeit gibt zu spüren und selbst wahrzunehmen: Ich werde gesehen. Und die Zeit, die man dafür vermeintlich investiert, gewinnt man später mehrfach zurück. Denn alles, was danach an Handlungen oder Behandlungen notwendig ist, gelingt einfacher. Die Akzeptanz und auch das Mitmachen der Kinder sind meist viel besser, als wenn man versucht, am Anfang Zeit zu sparen. Letztlich rächt sich diese vermeintliche Zeitersparnis. Die Zeit, die man investiert, ist sehr gut investierte Zeit.

Sie haben es vorher schon angesprochen: Authentizität ist ganz wichtig. Und ich glaube, Kinder haben dafür auch ein sehr feines Sensorium.

Ja, genau das macht es so magisch. Oft sind es nur Nuancen oder ein bestimmter Blick. Nehmen wir einen typischen Ambulanzbesuch: Ein Kind kommt mit seinen Eltern und befindet sich zunächst noch in einer Spielsituation im Wartebereich, wo es sich sicher fühlt. Dann geht es plötzlich in den Untersuchungsraum, wo medizinisches Personal auf es wartet. Natürlich ist da zunächst einmal der Schreck da. Viele Kinder werden dann vollkommen passiv und ziehen sich zurück.

In dieser ersten Situation ist es deshalb wichtig, zunächst einmal Ruhe zuzulassen und den Eltern die Möglichkeit zu geben, zu erzählen. Und währenddessen kann man innerhalb weniger Augenblicke ganz subtil Kontakt mit dem Kind aufnehmen. Man kann ihm einen Blick zuwerfen, ein kleines Tierchen hinüberschieben oder irgendeine andere Geste machen, die signalisiert: ‚Ich habe dich gesehen. Ich weiß, dass du da bist. Aber ich tue dir nichts.‘

Oft sind genau das die entscheidenden Momente. Wenn man merkt, dass das Kind darauf anspricht und nicht zurückschreckt, hat man eigentlich schon die erste kommunikative Ebene geschaffen.

In der Klinik Oberwart gibt es ein ganz besonderes Angebot, das als Eisbrecher fungieren kann: ein Mini-MRT-Gerät. Wie kann man sich das vorstellen?

Es ist tatsächlich mehr als nur ein Eisbrecher. Es hilft uns, Kindern die Untersuchung so zu erklären, dass sie daran teilhaben können und sie nicht einfach nur passiv über sich ergehen lassen müssen. Damit Kinder etwas wirklich verstehen, müssen sie es im wahrsten Sinne des Wortes begreifen können – und begreifbar wird es, indem man es angreifbar macht. Das Mini-MRT ist einem großen MRT-Gerät 1:1 nachempfunden. Die Kinder können damit spielen und über ein Tablet selbst in die Rolle der Untersucherin oder des Untersuchers schlüpfen. Sie können die Untersuchung also selbstbestimmt durchführen und einmal die Perspektive wechseln.

So verlieren sie die Angst vor dem Unbekannten, weil sie die Untersuchung sehen, hören und erleben können. Im besten Fall lässt sich das Ganze sogar mit einer kleinen Challenge verbinden: Das Kind bekommt ein Erfolgserlebnis, wenn es schafft, 20 Minuten ruhig liegen zu bleiben und nicht zu zappeln – und das im Idealfall ganz ohne Medikamente.

Ohne Medikamente – das ist ja das große Ziel?

Ganz genau. Die Medikamente, die wir nicht geben müssen, sind die besten Medikamente, weil sie ohne Nebenwirkungen auskommen. Eine Untersuchung unter medikamentöser Sedierung, also in einer Art Schlafzustand, kann immer Nebenwirkungen und Folgen haben, die wir nicht möchten und die wir auch nicht erwarten. Die beste Möglichkeit, das zu vermeiden, ist daher, die Sedierung gar nicht erst zu benötigen.

Ein solches Mini-MRT hat man natürlich nicht immer zur Verfügung. Wenn Sie an Ihre bisherige Laufbahn und Ihren Alltag denken: Welche unkonventionellen Wege sind Sie schon gegangen, um das Vertrauen Ihrer kleinen Patientinnen und Patienten zu gewinnen?

Eigentlich würde ich gar nicht sagen, dass das, was wir tun, besonders unkonventionell ist. Für mich gehört es einfach dazu, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen. Da ist es ganz normal, dass man sich auch einmal auf den Boden setzt und mit einem Spielauto herumfährt oder mit Handpuppen arbeitet. Wichtig ist dabei, dass es kein Theaterstück ist, das wir den Kindern vorspielen, sondern dass wir wirklich mit ihnen sind – dass wir gemeinsam Spaß haben und auch einmal ein bisschen herumblödeln können. Solange das authentisch bleibt, funktioniert es sehr gut.

Aber natürlich sind wir auch kreativ. Dazu gehören etwa die Nikolausfeiern, bei denen wir uns verkleiden. Man braucht schon ein gewisses Maß an Kind in sich, eine gewisse Lebendigkeit, um sich darauf einzulassen und wirklich mit den Kindern mitzugehen.

Ist die Arbeit mit Kindern ein Bereich in der Medizin, für den man einfach geschaffen sein muss?

Ich glaube, das wären wir irgendwo alle, wenn wir das Kind in uns nicht irgendwann verlieren würden. Kinderärztinnen und Kinderärzte sind vielleicht einfach eine Gruppe von Menschen, die dieses Kind in sich tagtäglich pflegen – und das im besten Sinne. ‚Wir sind die Kinder, die dann andere Kinder behandeln‘.

Natürlich muss man zusätzlich sehr viel wissen und können, aber ich glaube schon, dass man eine gewisse Hingabe mitbringen muss. Und wenn man sich nicht gerne auch einmal ein bisschen blöd vorkommen möchte, dann ist dieser Bereich wahrscheinlich nicht der richtige.

Wenn Kinder ins Krankenhaus müssen, sind sie ja in der Regel nicht alleine. Mama oder Papa oder eine andere vertraute Person ist dabei. Wie funktioniert das ganz praktisch? Gibt es für jedes Kind ein Eltern-Kind-Zimmer oder wird ein Elternteil offiziell mit aufgenommen?

Tatsächlich ist es unser Ziel – und nicht nur unseres, sondern auch durch entsprechende Vereinbarungen festgehalten –, die Kinderrechte zu achten. Dazu gehört auch das Recht der Kinder auf ihre Bezugs- und Vertrauenspersonen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir haben das Glück, dass wir die Kinderstation in der Klinik Oberwart von Anfang an entsprechend gestalten durften. Für jedes Kind besteht grundsätzlich die Möglichkeit, eine Bezugsperson bei sich zu haben. Für die größeren Kinder und Jugendlichen, die vielleicht gar nicht mehr ständig ihre Eltern bei sich haben möchten, gibt es auch ein Zimmer, in dem drei Jugendliche gemeinsam untergebracht werden können. Das ist für sie oft ganz lustig – da entsteht dann fast eine kleine Selbsthilfegruppe.

Das ist unser Zugang, und ich halte das für ganz wesentlich. Denn wenn eine vertraute Person dabei ist, schafft das Ruhe und Vertrauen. Und natürlich steigt dadurch auch die Therapie-Compliance, also die Bereitschaft der Kinder, bei Untersuchungen und Behandlungen mitzumachen.

Das heißt, wenn das gewünscht ist, kann grundsätzlich immer ein Elternteil dabei sein. Aber zur Familie gehören natürlich auch Geschwister und andere Angehörige. Wie ist es mit den Besuchszeiten? Wie streng wird das gehandhabt?

Besuchszeiten sind auf einer Kinderabteilung natürlich relativ. Einerseits müssen wir darauf achten, dass ein Krankenhaus kein Rummelplatz ist. Es braucht eine gewisse Ruhe, weil dort kranke Kinder liegen, die diese Ruhe auch brauchen. Andererseits braucht es genauso die Familie. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass die Angehörigen ihre Kinder besuchen können. Natürlich muss es ein gewisses Maß geben, damit es nicht überhandnimmt. Grundsätzlich gibt es die Regeln des Hauses, aber wir legen sie gerade auf der Kinderabteilung sehr weit aus.

Kinder werden schließlich auch zu Tages- und Nachtzeiten aufgenommen, zu denen die regulären Besuchszeiten längst vorbei sind. Wenn dann Angehörige vorbeikommen, weil sie sich Sorgen machen, ist es selbstverständlich möglich, dass sie bei ihrem Kind bleiben.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt geplant ist: Was können Eltern vorab tun, um ihre Kinder ein wenig darauf vorzubereiten?

Ich glaube, was sich immer wieder bewährt, ist, den Kindern nichts vorzuenthalten. Bezugspersonen und Kinder sind meistens so eng miteinander verbunden, dass Kinder auch unterschwellige Botschaften mitbekommen. Man kann das gar nicht so gut überspielen, dass sie nichts merken.

Was Eltern tun können, ist, ihre Kinder in einfachen Worten darüber zu informieren, was sie möglicherweise erwartet – ohne dabei unnötig Triggerwörter wie ‚Angst‘ oder ‚Schmerz‘ zu verwenden. Dafür gibt es auch Bücher und Apps, die eine gute Unterstützung sein können.

Man kann sich aber auch ganz spielerisch zu Hause mit der Situation beschäftigen: mit einem Stethoskop, einer Lampe oder einem Spielzeug-Doktorkoffer. Das ist nicht nur ein Spiel, sondern kann tatsächlich helfen, die Situation vertrauter zu machen und dadurch Stress zu reduzieren.Wichtig ist auch die Authentizität der Eltern. Man kann durchaus sagen: ‚Wir machen uns alle Sorgen, aber du wirst sehen, wir sind hier gut aufgehoben. Es wird sich jemand um uns kümmern und wir schauen, dass es dir bald besser geht.‘ Das ist viel hilfreicher, als dem Kind eine heile Welt vorzugaukeln oder etwas zu verschweigen, das später plötzlich auftaucht.

Gibt es auch die Möglichkeit, die Station vorab zu besuchen?

Grundsätzlich auf jeden Fall. Besonders deutlich leben wir das beispielsweise auf der Neonatologie: Dort beginnt die Vorbereitung teilweise schon bei den werdenden Müttern, also noch bevor das Kind überhaupt auf der Welt ist. Sie können den Bereich kennenlernen, in dem ihr Kind später voraussichtlich liegen wird.

Das hilft, Ängste abzubauen und nicht ins völlig Unbekannte zu kommen. Denn Ängste und Unsicherheiten können sich natürlich auch auf das ungeborene Kind übertragen. Wenn es gewünscht ist, besteht deshalb grundsätzlich die Möglichkeit, sich vorab alles anzusehen. Das ist ein wichtiger Teil unserer Idee: möglichst viel von dem, was auf die Familien zukommt, vertraut zu machen.

Dafür, dass Kinder im Krankenhaus gut aufgehoben und vor allem kindgerecht versorgt werden, gibt es auch die „Charta für Kinder im Krankenhaus“ der Europäischen Vereinigung für Kinder im Krankenhaus. Was ist darin beispielsweise festgelegt?

Im Grunde haben wir vieles von dem, was dort festgehalten ist, in unserem Gespräch bereits angesprochen. Ein Punkt, über den wir noch nicht gesprochen haben, ist besonders wichtig: Kinder sollten nicht aufgenommen werden, wenn es dafür keinen klaren medizinischen Grund gibt. Das bedeutet, dass wir die Indikation für eine stationäre Aufnahme entsprechend streng stellen und dabei auch die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Familie beziehungsweise des gesamten Versorgungssystems berücksichtigen müssen. Das fällt uns nicht immer leicht, weil wir im medizinischen Alltag natürlich sehr strukturiert vorgehen und bestimmten Regeln folgen. Aber hier braucht es auch Weitblick. Jede stationäre Aufnahme, die wir vermeiden können, ist grundsätzlich besser.

Ansonsten geht es um vieles, was wir bereits erwähnt haben: Kinder sollen entsprechend ihrem Alter und ihrem Verständnis angesprochen werden. Aufklärung sollte immer mit den Kindern und nicht über sie stattfinden. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, sich selbst zu äußern, wahrgenommen zu werden und ihre Situation mitzugestalten. Letztlich geht es darum, Kinder so zu behandeln, wie wir selbst behandelt werden möchten – und diese Grundsätze sind in diesen zehn Punkten sehr schön zusammengefasst. Wenn man die Charta liest, denkt man zunächst: Das ist doch eigentlich alles selbstverständlich. Aber wenn man genauer darüber nachdenkt, merkt man, dass wir im Alltag erstaunlich oft davon abweichen.

Ein ganz einfaches Beispiel: Ein Kind fällt hin, verletzt sich und beginnt zu weinen. Wenn dann jemand sofort sagt: „Es ist ja nichts passiert“, entspricht das eigentlich nicht diesem Gedanken. Denn es ist etwas passiert – das Kind hat sich wehgetan und sollte auch das Recht haben, seine Gefühle und seine Wahrnehmung auszudrücken. Es geht also auch um diese Aufmerksamkeit und darum, die Perspektive des Kindes ernst zu nehmen.

Es gibt natürlich Kinder, die nicht nur für eine Untersuchung oder ein paar Tage ins Krankenhaus kommen, sondern bei denen klar ist, dass sie längere Zeit bleiben müssen. Gibt es für diese Kinder besondere Angebote oder Dinge, auf die Sie achten – etwa Routinen, Kontinuität oder fixe Bezugspersonen?

Das ist definitiv ein Bereich, in dem wir noch ausbaufähig sind. Wir haben natürlich verschiedene Möglichkeiten, sowohl die Eltern als auch die Kinder dabei zu unterstützen, einen längeren Aufenthalt besser zu bewältigen. Auf der Station gibt es einen Kindergarten und eine Heilstättenschule. Je nach Alter können die Kinder dort betreut, beschäftigt und gefördert werden. Das entlastet natürlich auch die Eltern. Darüber hinaus gibt es verschiedene Spieleangebote auf der Station – soweit es der Gesundheitszustand des Kindes und die jeweilige infektiologische Situation zulassen. Wir haben außerdem klinische Psychologinnen, die mit unglaublicher Feinfühligkeit und großem Weitblick sehr viel auffangen können. Das ist natürlich besonders wichtig.

Aber es geht auch um viele kleine Details: die Gestaltung der Abteilung, die Kleidung des Personals, bunte Elemente auf den Tellern oder unser eigenes Geschirr. Auch beim Essen können wir sicherlich noch sensibler werden. Für Kinder ist das oft ein sehr wichtiger Punkt, und wir wissen, wie feinfühlig sie darauf reagieren. Natürlich können wir nicht für jedes Kind eine individuelle Wunschkost anbieten. Aber wir können in vielen kleinen Nuancen stärker auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen.

Und auch die Routinen auf der Station sind ganz wichtig. Sie geben Sicherheit. Wenn Kinder wissen, was zu einem bestimmten Zeitpunkt passiert und was als Nächstes auf sie zukommt, können sie sich darauf einstellen und besser damit umgehen.

Das heißt, allein bei der Gestaltung der Kinderstation werden ganz andere Wege gewählt als auf anderen Stationen?

Ja, definitiv. Dafür mussten wir zunächst auch ein entsprechendes Bewusstsein schaffen. Als wir hier eingezogen sind, war alles wunderschön neu – aber eben auch sehr weiß und steril. Die Architekt*innen hatte natürlich einen großen Masterplan, dem sie gefolgt sind. Wir haben diesen Plan gewissermaßen ein bisschen konterkariert und darauf bestanden, dass wir die vielen weißen Flächen durchbrechen müssen. Mittlerweile ist dieses Bewusstsein schon von Anfang an dabei, und wir haben große Teile der Abteilung in einen Dschungel und in unterschiedliche Themenwelten verwandelt. Jedes Zimmer hat sein eigenes Thema. Das macht auch uns selbst sehr viel Freude, aber vor allem hilft es den Kindern, diese typische Spitalswelt ein Stück weit zu durchbrechen.

Und für besonders schwierige Tage gibt es dann noch ein Ass im Ärmel: die Roten Nasen, die es immer wieder schaffen, Kinder aufzumuntern und ihnen ein Lachen ins Gesicht zu zaubern. Wie wertvoll ist das?

Extrem wertvoll. Die Idee dahinter ist ja schon sehr alt – man denke etwa an Patch Adams. Dass Lachen auch therapeutisch wirken kann, wissen wir: Dabei werden unter anderem Endorphine und andere Botenstoffe ausgeschüttet, die unser Wohlbefinden beeinflussen. Wir haben Klinikclowns beziehungsweise die Roten Nasen bei uns, und diese Organisationen sind für uns im Alltag sehr wichtig. Sie durchbrechen diesen Trott, in dem auch wir manchmal stecken. Und das ist durchaus auch für uns selbst lustig.

Man wird schon herausgefordert, wenn plötzlich so ein vollkommen wirres Wesen hereinschneit und einen mit einer Blödelei konfrontiert, die überhaupt nichts mit unserem normalen Alltag zu tun hat. Man ertappt sich dann manchmal dabei, dass man sich im ersten Moment sogar ein bisschen gestört fühlt. Und dann muss man über sich selbst lachen – eigentlich über die eigene Hilflosigkeit, mit diesen Späßen umzugehen. Für die Kinder ist das unglaublich wertvoll, weil auch dadurch wieder ein Stück Angst genommen wird.

Wie oft kommen die Roten Nasen vorbei und bringen den Alltag ein bisschen durcheinander?

Mittlerweile haben wir dafür schon gewisse Routinen. Sie kommen wöchentlich, und wir haben ihre Besuche auch mit unseren HNO-Untersuchungen verbunden. Gerade bei Untersuchungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich sind manche Maßnahmen für Kinder nicht besonders angenehm – wenn man etwa tief in den Hals schaut, die Ohren untersucht oder etwas kitzelt und vielleicht auch einmal etwas unangenehm sein kann. Die Roten Nasen sind dabei und werden zu einem Teil unserer Untersuchung. Damit helfen sie uns ganz gezielt, die Akzeptanz dieser Maßnahmen zu erhöhen. Wir setzen sie also nicht nur gelegentlich oder zu besonderen Anlässen ein, sondern ganz bewusst als Teil unserer diagnostischen Abläufe.

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